Einzelhaltung und die Sprache der Meerschweinchen


Immer wieder sieht man es. Besonders in den USA, aber auch in Ungarn und Schweden habe ich es schon gesehen: Die Einzelhaltung.

Oft kommen Argumente wie: "Als mein 2tes Meerschweinchen gestorben ist, fühlte sich mein anderes viel wohler."

Meistens wird die Sprache der Tiere allerdings falsch verstanden.

 

Meerschweinchen sind Gruppentiere


Fakt ist: Meerschweinchen sind Gruppentiere. Sie leben in der Natur in Rudeln (ich verbinde damit irgendwie immer Räuber, aber es ist wirklich die korrekte Bezeichnung). Sie wurden vor 5000-2000 Jahren von Menschen domestiziert. Ja, sie sind schon echt lange unsere Haustiere. Sie wurden domestiziert als Fleischlieferant. Auch dort lebten sie in Rudeln. Sie sollten sich ja fortpflanzen.

Meerschweinchen werden erst seit kurzem als Kuscheltiere missbraucht.

Sie sind von naturaus darauf programmiert in der Gruppe zu leben. Die Gruppe gibt ihnen Sicherheit. Viele Ohren hören mehr als 2, viele Augen sehen mehr als 2, viele Nasen riechen mehr als eine. Meerschweinchen können sich absolut nicht wehren. Sie haben keine langen, scharfen Krallen, keine starken Hinterläufe und sind auch nicht aggressiv.

Diese kleinen Stinker haben also absolut keine andere Wahl als um ihr Leben zu laufen, wenn Gefahr droht. Dort ist die Gruppe überlebenswichtig. Das hat sich nicht geändert. Auch heute noch sind die Meerschweinchen kleine Schwächlinge, die nicht mehr als rennen können.

Demnach brauchen sie auch heute noch die Gruppe. Sie wurden nicht wie Hunde extrem auf Menschen geprägt und kaputt gezüchtet. (Die meisten Hunde finden Menschen besser als andere Hunde. Das ist traurig.)

Der Mensch hatte gar kein Interesse daran. Der Wolf half dem Menschen bei der Jagd. Er kämpfte für den Menschen und blieb treu an seiner Seite. Beide hatten etwas von der engen Bindung. Beide hatten Vorteile. So wurde die Bindung intensiver. Wölfe brauchten keine andere Wölfe mehr. Der Mensch gab ihnen alles was sie brauchten: Nahrung, Obdacht, Schutz und Zuneigung. Auch Menschen begannen eine tiefe Liebe für Wölfe zu empfinden.


Meerschweinchen sind seither nur Fleischlieferanten. Sie können nicht jagen, Menschen nicht schützen, sie können gar nichts sinnvolles, außer Fleisch geben. Der Mensch hatte also niemals Interesse daran ihnen gegenüber einen starke Bindung aufzubauen. Er hat sie niemals wirklich in ihr Leben gelassen. Sie bekamen Futter, wurden sauber gemacht und geschlachtet. Meerschweinchen haben kein Interese daran gestreichelt zu werden, weil sie auch in der Natur nicht kuscheln oder sich gegensetig pflegen.

Somit blieben die Menschen unter sich und die Meerschweinchen unter sich. Sie legten ihr Gruppenverhalten nicht ab. Sie änderten es, mehrere Jungs konnten jetzt zusammen leben, aber nach wie vor lebten sie unter Artgenossen.

Sie leben noch nicht lange in Liebhaberhaltung. Sie hatten also auch nie Zeit sich zu ändern.

Zudem denkt doch mal nach:
Meerschweinchen, die gerne alleine leben kann es nur in Ausnahmen geben, denn diese können sich ja nicht fortpflanzen, wenn sie alleine leben.
Sie waren für die Zucht auch uninteressant, weil es dort Streitigkeiten gab und landeten als erstes im Kochtopf.

Meerschweinchen haben absolut keine Eigenschaften, die sie als Einzelhaltungstier, das sich auf den Menschen prägt, einstufen lässt. Sie haben kein Interesse an engem Kontakt wie streicheln, sie sind schreckhafte Fluchttiere, sie werden nicht stubenrein, sie können absolut nichts vorteilhaftes für den Menschen, außer Fleisch geben oder niedlich sein. Warum hätte man sich also mit solchen Tieren so beschäftigen sollen?

Alleine logisch gesehen können die Tiere also gar nicht für die Einzehaltung geeignet sein.

 

Die Missverständnisse


Das größte Problem bei der Einzelhaltung ist, dass die meisten Menschen das Verhalten von Meerschweinchen falsch interpretieren. Sie vergleichen sie mit Hunden und Katzen.

Meerschweinchen, die alleine leben werden plötzlich viel aktiver dem Menschen gegenüber. Sie kommen sofort angerannt und 'freuen' sich, wenn man nach Hause kommt. Sie suchen Kontakt und lassen sich 'gerne' streicheln.

 

Warum?!

Wir haben bereits festgestellt, dass Meerschweinchen Gruppentiere sind. Sie brauchen also zwingend eine Gruppe. Was tun Meerschweinchen also, wenn man ihnen keinen Gruppe bietet? Sie suchen Alternativen. Bietet man ihnen ein Kaninchen so versuchen sie möglichst dessen Verhaltensweisen anzunehmen und als Kaninchen zu leben. Das ist immer noch besser als ganz alleine in einer Ecke zu sitzen. Sie lassen sich ablecken, obwohl es absolut nicht ihrer Natur entspricht. Irgendeine Interaktion ist besser als gar keine und ewige Langeweile.

Genau das ist das Problem, wenn sie ganz alleine leben. Sie sind den ganzen Tag in einem Käfig. Meistens 23-24h. Der ist meistens 1m x 0,5m. Darin ist meistens ein Haus, eine Tränke, Heu und ein Napf. Was soll das Meerschweinchen da 23-24h am Tag tun?

Es sitzt in einem Haus und langweilt sich, wenn es nicht gerade frisst. Es wartet also bis man nach Hause kommt, denn mit dem Menschen zu spielen ist besser als in dem Haus zu sitzen und lebendig zu verschimmeln.

Das Tier wird absolut nicht ausgelastet und wird regelrecht wahnsinnig. Die 'Einzehaltung' wird in Gefängnissen als Strafe verwenden und das nicht grundlos. Niemand will 24/7 ganz alleine in einer Zelle sitzen ohne jegliche Beschäftigung und Interaktion zu Artgenossen. Meerschweinchen wollen das auch nicht!

Ein Gefängnisinsasse sagte eins in einer Doku sinngemäß: 'Viele Menschen wünschen sich öfters Stille, aber diese kann nach einiger Zeit sehr laut werden.'
Menschen werden regelrecht wahnsinnig und berichten davon Stimmen zu hören und nicht mehr sie selbst zu sein. Genauso ergeht es Meerschweinchen!

Man glaubt, dass das Meerschweinchen sich auf einen freut, wenn man nach Hause kommt, aber es versucht nur der endlosen Stille, dem Schrein des Nichts, zu entkommen. Es versucht nicht den Verstand zu verlieren.

Deswegen hümpfen sie auch so durch den Käfig, knabbern an dem Gitter und versuchen alles um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die laute Stille macht sie verrückt.

Sie versuchen so lange wie möglich dem zu entkommen. Das macht sie auch so unglaublich lieb. Das Tier macht absolut alles mit und wirkt permanent neugierig.
Es hat einfach unglaubliche Angst wieder in den Käfig zu kommen und der Stille ausgesetzt zu sein. Das Schweinchen tut alles, um dem Menschen zu gefallen. Der Mensch ist ihre einzige Ablenkung.

 

erlernte Hilflosigkeit


Man sieht viele Fotos und Videos von Meerschweinchen, die scheinbar entspannt auf dem Schoß liegen und sich streicheln lassen. Sie schauen einen niedlich an und wirklichen zufrieden und glücklich.

Das ist eine komplette Fehlinterpretation.

Sie zeigen eine erlernte Hilflosigkeit. Dabei handelt es sich um ein psychologisches Konzept, das dazu verwendet wird Depressionen zu erklären. Ja, ihr lest richtig.
Ich kann das Konzept auch schnell erklären, da ich damit im Studium zu tun hatte.

Ich erkläre es zuerst anhand von Hunden angelehnt an das Originalexperiment.


Man stelle sich eine Gruppe von Hunden vor. Die Tiere werden jeweils einzeln in eine Kiste gersperrt. Sie werden Elektroschocks ausgesetzt und können dagegen absolut nichts tun. Die Hunde können aus der Kiste nicht fliehen. Anfänglich versuchen sie absolut alles um den Schmerzen zu entkommen.

In der nächsten Phase kommen diese Hunde in eine neue Kiste. Diese besteht aus 2 Teilen. Sie werden in die Kiste gesteckt, die die Elektroschocks abgibt. Allerdings können sie problemlos in die andere Kiste, wo es keine Schocks gibt. Die meisten Hunde haben es nicht versucht aus ihrer Situation zu fliehen. Sie haben sich lethargisch, also 'schläfrig', hingelegt und abgewartet. Sie haben absolut nichts unternommen, obwohl es ein leichtes gewesen wäre sich zu wehren.


Warum haben die Hunde nichts gemacht?

Sie haben vorher gelernt, dass es sinnlos ist sich zu wehren und haben mit der Zeit aufgehört es zu versuchen. Sie haben ihre Situation als gegeben hingenommen und einfach gewartet bis man sie befreit. Sie konnten sich nicht mehr werden und wurden regelrecht depressiv.

 

Noch eine Situation:

Man stelle sich einen Schüler vor. Er schreibt in Mathematik grundsätzlich schlechte Noten. Schon seit Jahren bekomm er nur 4en und 5en in Mathematik.

Ein neues Schuljahr beginnt und wieder steht Mathe auf dem Stundenplan. Er lernt nicht für eine Klausur - 'Es macht keinen Sinn zu lernen, ich bekomme doch eh eine 4.' - und bekommt wieder eine 4. 'Eine 4, so wie immer', heißt es.

Er hat nicht für Mathe gelernt und auch nie aufgepasst. Natürlich hat er eine 4 bekommen. Das hätte ich auch. (Kommt einigen die Situation bekannt vor??)

Der Schüler hat seit Jahren gelernt, dass er einfach kein Mathe kann und strengt sich auch nicht mehr an. Er redet sich ein, dass er kein Talent hat.

Mit lernen und Nachhilfe hätte er aber sicherlich etwas deutlich besseres geschrieben.

Allerdings steckt er in diesem Zustand fest und gibt auf bevor er angefangen hat.

Merkt ihr, dass es genau das gleiche ist wie bei den Hunden?
Man akzeptiert die Situation egal wie sehr man leidet, egal wie grausam sie ist. Man wehrt sich nicht mehr. Dies ist erlernte Hilflosigkeit.

 

Genau das ist das was Meerschweinchen so 'entspannt' auf dem Schoß liegen lässt. Genau das macht sie so lieb. Viele schreiben am Anfang waren ihre Meerschweinchen sehr unruhig und wollten das Streicheln nicht. Später, nach der Zähmung und viel kuscheln, wurden sie dann ruhig.

Klingt wie bei den Hunden und dem Schüler oder? Die Tiere konnten dem Kuscheln nicht entfliehen und akzeptierten es. Sie wurden ja nicht zurück gesetzt in den Käfig, egal was sie getan haben. Sie wurden nur länger gekuschelt.

Es ist genau das gleiche. Die Tiere werden lethargisch. Das schläfige ist eine Lethargie. Das ist eine grausame Bewusstseinsstörung. Die Tiere werden teilnahmslos und schaffen es nicht mehr sich zu wehren. Sie leiden massiv darunter. So wie ein Hund unter Elektroschocks oder ein Schüler unter dem Matheunterricht. Mathe lässt einige Schüler regelrecht verzweifeln. Sie weinen und wissen nicht mehr weiter. 

So ergeht es den Meerschweinchen.
Das Hinlegen ist nicht positiv. Jegliche Form der Lethargie ist grausam für die Tiere. Sie leiden Qualen. Sie haben sich nicht mehr unter Kontrolle. Sie versuchen die SItuation einfach auszustehen. Sie leiden so sehr.

 

Die Sprache der Meerschweinchen


Unsere liebe Schweinchen sind Fluchttiere. Sie legen sich nicht offen hin ohne Schutz und schon gar nicht weit von Verstecken entfernt. Alle Meerschweinchen, die sich auf den Schoß legen leiden unter erlernter Hilflosigkeit und versuchen die Situation einfach auszustehen oder sie versuchen mit dem Menschen zu kommunizieren, wenn diese Situation noch nicht lange anhält.
Das Hinlegen bedeutet auch, dass sie sich unterwerfen.
Streicheln erinnert an das Aufreiten von Meerschweinchen. Dies ist eine Form der Dominanz ranghoher Tiere gegenüber rangniedriger. Das hat absolut nichts mit sexuellem Verhalten zu tun. Sie zeigen sich damit wer der Boss ist.

Wenn wir Meerschweinchen über den Rücken streicheln, dann fühlt es sich für sie so an, als würde ein ranghohes Tier sie dominieren. Das rangniedrigere Tier hat sich hier zu unterwerfen und hinzulegen. Dies wird als Unterwerfung wahrgenommen. Es zeigt 'Ich akzeptiere dich als ranghöheres Tier'. Dies versucht das Meerschweinchen auch bei Menschen. Es legt sich hin und sagt uns damit 'Ja, du bist ranghöher. Bitte hör jetzt auf. Ich unterwerfe mich und habe dein dominieren verstanden.'

Die meisten Menschen hören aber nicht auf sondern denken 'Toll, es genießt das Streicheln.'

Meerschweinchen beißen nicht und wehren sich auch sonst kaum. Es kann nicht mehr tun als liegen zu bleiben und zu hoffen, dass man es versteht. Es begreift nicht wieso man nicht aufhört. Es weiß auch nicht was es jetzt tun soll. Das Training für die erlernte Hilflosigkeit beginnt. Das Tier verzweifelt.

Es versucht mit Geräuschen zu arbeiten. Ein schnurrenähnliches Geräusch, im englischen auch purr genannt, ist zu hören. Dieses Geräusch dient der Beschwichtigung. Das Tier versucht zusätzlich zum Hinlegen den Menschen zu beschwichtigen und weiter zu sagen 'Ja, du bist ranghöher. Ich verstehe dich. Bitte lass mich jetzt in Ruhe. Ich mag das nicht.'

Der Mensch denkt: 'Toll, mein Meerschweinchen schnurrt wie eine Katze. Es muss sich sehr wohl fühlen!'

Das Meerschweinchen fühlt sich gar nicht wohl. Es weiß aber nicht was es tun soll. Es versucht alles was es auch bei Meerschweinchen versuchen würde. Man wehrt sich nicht gegen ranghöhere Tiere. Das kann Beißen und sogar Ausschluss aus der Gruppe zur Folge haben. Es lässt also lieber alles über sich ergehen als sich zu wehren.

Viele Menschen übertragen leider alles was sie über einige Tierarten lernen auf alle Tierarten. Nicht alle versuchen das gleiche zu sagen. Zähnezeigen ist bei Menschen zum Beispiel etwas positives, man lächelt. Für die meisten Tierarten ist es aber etwas sehr negatives, Aggression oder Angst.

Das Schnurren zeigt bei einer Katze zum Beispiel auch nicht nur Wohlbefinden. Sie lernen den Menschen damit zu manipulieren und zeigen dies auch dann, wenn sie eigentlich eher schlecht gelaunt sind, weil sie zum Beispiel auf Futter warten. Sie lernen, dass Menschen das Schnurren mögen und versuchen damit an Futter zu kommen.

Tiere versuchen durchaus zu lernen mit uns zu reden; so wie auch wir lernen mit ihnen zu reden. Viele Menschen haben ganz spezielle Geräusche, um ihren Schweinchen zu signalisieren, dass es Futter gibt. Die Tiere lernen dies. Genauso versuchen wir zu lernen was ein Tier uns sagen möchte und die Tiere lernen, dass wir das verstehen.

Leider verstehen wir nicht alles und missinterpretieren einiges. Das gilt genauso auch für Tiere.

Wir Menschen aber haben die Chance uns zu belesen. Wir können die Forschung nutzen, um zu lernen was die Tier wirklich sagen wollen.

Viele Menschen sind auf dem Auge leider blind. Es ist viel besser zu glauben, dass sie sich wohl fühlen, wenn man sie streicheln, als zu wissen, dass man sie damit quält, regelrecht misshandelt.

 

Was man jetzt tun kann


Wichtig ist, dass man sich das zu Herzen nimmt. Man muss auch gar nicht auf jeden Körperkontakt verzichten. Einmal in der Woche sollte jedes Meerschweinchen untersucht werden. (Der Meerschweinchen-TÜV)

Diese Zeit kannman problemlos nutzen, um das Meerschweinchen anzufassen. Das bedeutet nicht, dass man sie 20min auf dem Schoß hält, aber es schadet ihnen auch nicht sie ein bisschen an der Seite zu streicheln und sie danach wieder in das Gehege zu setzen.

Ebenso ist es erlaubt die Tiere innerhalb ihres Geheges anzufassen. Dort können die Tiere selber entscheiden, ob sie dies tolerieren oder nicht. Sie können jederzeit weg. Sie werden nicht gezwungen das hinzunehmen. Dort merkt man zum Beispiel auch sehr gut, wer dies zulässt und wer nicht. Fred ist der erste, der abhaut sobald ich auch nur ansatzweise seine Haarspitzen berühre. Karla lässt mich nicht einmal soweit und Shura kriegt schon Panik, wenn ich vom Bett aufstehe. Sie möchten das Antatschen absolut nicht. Sehr selten bleibt Fredimann mal sitzen und dann meistens nur, weil er es noch nicht bemerkt hat.

Lilly und Teddy kann ich öfter mal anfassen. Lilly wird dann eher ganz starr und lässt es über sich ergehen. Sie genießt es absolut nicht. Teddy meckert manchmal, aber meistens ist es ihr egal. Es ist halt viel zu viel Aufwand wegzugehen. ;)

Mit der faulen Nuss kann man fast alles machen.

 

Meerschweinchen Tiere zum Beobachten


Es ist sehr wichtig zu akzeptieren, dass man sich keine Katzen, Hunde oder Ratten ins Haus geholt hat. Wer kuscheln möchte, der muss sich überlegen, ob man sich nicht Tiere zusätzlich holen kann, die gerne geknuddelt werden.

Wem Meerschweinchen zu langweilig sind, der sollte über 2 Dinge nachdenken:


1) Ist mein Gehege groß genug (mind. 2qm), habe ich genug Meerschweinchen (mehr als 1)?

2) Habe ich wirklich Interesse etwas zu verändern oder sollte ich mir nicht überlegen, ob ich nicht ein anderes Zuhause für meine Schweinchen suche?

 

Es ist besser ein Schweinchen abzugeben, als es ganz alleine in einem Käfig versauern zu lassen, wenn man sich dazu entscheidet, dass man kein weiteres haben möchte und auch kein großes Gehege. Das ist zum Wohle der Tiere.

Auch, wenn das Tier aus Einzelhaltung kommt, so kann man es meistens relativ problemlos in eine Gruppe integrieren. Besonders Weibchen. Tut es zum Wohle der Tiere. Sagt, dass ihr Scheiße gebaut habt, dass ihr es nicht besser wusstet und dass ihr dem Tier jetzt ein besseres Leben ermöglichen möchtet. Egal, ob ihr alles umkrempelt oder ob ihr ein neues Zuhause sucht: Hauptsache ihr tut etwas! Die Schweine werden es euch danken! <3 :)

Meerschweinchen werden durchschnittlich 6 bis 8 Jahre alt. Das ist eine echt lange Zeit.

Es lohnt sich deswegen immer etwas zu tun.

Mit einem großen Gehege und einer guten Gruppe, ab 4 Tiere, gibt es ordentlich Action und man sitzt gerade neugierig vor dem Gehege und beobachtet die Tiere. Man lernt, dass es viel mehr Spaß macht das Vertrauen der Tieren zu erarbeiten. Man sieht, wie ehemals von einem zwanggekuschelte Tiere nach einiger Zeit gerne zu einem kommen und nach Futter schauen. Plötzlich sind sie gar nicht mehr schreckhaft und suchen auch nicht krankhaft nach Aufmerksamkeit. Sie kommen dann, wenn sie es möchten.

Es ist super süß, wenn sie Männchen machen, um ein Leckerchen zu bekommen. Es ist einfach niedlich, wenn sie durch das Gehege rennen mit der Nase auf dem Boden und nach Leckerchen suchen. Es gibt nichts tolleres, als vollgefressene Meerschweinchen beim Chillen zu beobachten. Sie sind einfach glücklich.

Toll ist es, wenn sie sich unterhalten. Einige Schweinchen sind sehr laut und reden den ganzen Tag über. Süß, wenn sie sich antworten und man sich fragt was sie da gerade bereden. Ein Plan um die Weltherrschaft an sich zu reißen?

Ich weiß es nicht, aber manchmal schauen sie so, dass ich es ihnen zutrauen würde.

 

Ein Tier mit Persönlichkeit


Erst in einer Gruppe merkt man wie eigen die jeweiligen Tiere sind. Ich habe bei meinen Schweinchen jeweils beschrieben wie die einzelnen Stinker so drauf sind.

Sie sind alle anders. Jeder hat seine Persönlichkeit.
Gerade in Interaktion mit Artgenossen sieht man erst, wie verschieden sie sind. Der eine geht Streit aus dem Weg, der andere zettelt welchen an, wieder ein anderer schaut erst mal, ob man den Streit nicht gewinnen kann.
Man lernt wer was mag. Einige Schweinchen mögen Kuschelsachen, andere Hängematten, wieder welche liegen gerne unter Unterständen oder im Heu. Nur mit viel Platz und genug Artgenossen, mind 3 weitere Schweinchen, sieht man genau was diese Tiere alles ausmacht.

Jeder ist ein Individuum, jeder ist einzigartig. Man muss ihnen aber auch die Chance geben dies zu zeigen. Ganz alleine mit einer Hütte in einem Käfig kann das Tier außer essen und schlafen nichts machen. Natürlich sind sie da langweilig. Das Schwein findet es auch langweilig. Es kann ja nichts tun.

Sie brauche Auswahl an Versteckmöglichkeiten, Platz zum Rennen und Freunde. Nur so zeigen sie all ihre Facetten. Alles was in ihnen steckt wird so sichtbar.

Manchmal sitzt man ganz gefesselt vor dem Gehege und schaut ihnen zu. Man lernt neues über die eigenen Schweinchen. Auch sie verändern sich. Nicht nur dem Menschen gegenüber sondern auch untereinander. Sie lernen von einander, sie beeinflussen sich.

So wie kein Mensch ein Leben lang der gleiche ist und durch Umwelt, Freunde und Familie beeinflusst wird, so wird es auch jedes Meerschweinchen. Sie entwickeln sich ständig weiter und versuchen Probleme zu lösen. Wenn das eine Schweinchen ein echter Streithammel ist, dann versuchen die anderen damit klar zu kommen und testen aus was dagegen hilft. Der Streihammel reagiert auf die Verhaltensänderungen der anderen. Ein Schwein ist immer als Momentaufnahme zu betrachten. Morgen kann man schon Verhalten feststellen, dass man dem Tier gar nicht zugetraut hat.

Sie sind einfach wie kleine Kinder. Ständig lernen sie dazu, machen Fehler, korrigieren sich. Man kann jeden Charakterzug bei ihnen finden. Scheu, zickig, zutraulich, neugierig, alles ist dabei. Man entdeckt jedes Tag etwas neues und erfreut sich an den Tieren.

Es gibt nichts schöneres als zutrauliche Tiere, die zufrieden ihr abgeholten Leckerchen mümmeln.

 

Das Schlusswort


Es ist keine Schande Fehler zu machen; Niemand ist perfekt, kein Mensch, kein Meerschweinchen. Allerdings ist es ein Fehler alles so zu lassen, obwohl man weiß, dass es falsch ist.

Nur, weil man etwas schon seit Jahren so macht, heißt es nicht, dass es richtig ist.

Früher hatte Frauen keine Rechte, sie waren nicht mehr als das Eigentum des Mannes, Sklaven wurden gehalten, Kinder als Arbeiter verkauft. War das richtig?

Menschen entwickeln sich immer weiter und die Ethik macht große Fortschritte.

 

Sei ein Teil des Fortschritts.

 

Denk nicht an gestern und lass die Vergangenheit, Vergangenheit sein. Denk an morgen und frage dich, ob du mit deinen Tieren tauschen möchtest.

 

"Behandle dein Haustier so,
daß du im nächsten Leben ohne Probleme
mit vertauschten Rollen klar kommst."
(Pascal Lachenmeier, *1973, Schweizer Jurist)

 

Denkt bitte immer daran: Die Tiere sind euch ausgeliefert. Wenn ihr ihnen nicht helft, dann wird es niemand tun. Niemand kann sie hören. Das könnt nur ihr alleine. Schaut in ihre Augen und fragt euch, ob sie glücklich sind. Fragt euch, ob ihr so leben wollt.

Lebt das Leben ruhig mal für einen Tag. Lebt euer Schweinchen alleine in einem Käfig, dann setzt euch alleine auf euer Bett, stellt etwas Essen und Trinken neben euch und wartet. Langweilig?

Das Schwein muss da jeden Tag durch.

 

Wenn ihr eueren Tieren nicht ein schönes Leben ermöglicht, wer soll es sonst tun?

Wer, wenn nicht ihr?